Donnerstag, 20. Dezember 2018

Kaffeeplantage - Vulkan Poás - Wasserfallgärten La Paz

Es sind Ferien. Annas Freund ist da und wir nutzen die Zeit vor Weihnachten um gemeinsam noch etwas mehr von Costa Rica zu entdecken.

Ich muss meine Aussage, San José nur noch für einen Hin- und Rückflug anzusteuern, revidieren. San José, die Hauptstadt Costa Ricas ist Dreh- und Angelpunkt. Die Stadt liegt zentral, sie ist guter Ausgangspunkt für Tagestouren.

Unsere, von einem Guide begleitete Tagestour (130 USD) führte uns zu den Highlights der Provinz Alajuela. Wir besichtigten eine der ältesten Kaffeeplantagen, den Vulkan Poás und die Wasserfallgärten La Paz. 

Kaffeeplantage „Doka Estate“

Schon am frühen Morgen erreichten wir die fruchtbaren Täler Alajuelas. Das kühle Klima von 18 bis 28 °C und Höhen von 800 bis 1600 Metern bieten ideale Bedingungen für den Kaffeeanbau. 

Costa Ricas „Arabica-Kaffee“ gehört zu den besten der Welt

San José – Vulkan Poás (Strecke 50 km, Fahrzeit 2 Stunden)

Beim Besuch der Kaffeeplantage „Doka Estate“ wurde mir deutlich, dass es vom Setzling bis zum fertigen Kaffee ein sehr langer Prozess ist. Viele Kaffee-Pflücker, die meist aus Nicaragua kommen, stehen für wenig Geld bis zu elf Stunden am Tag in der Sonne um die gigantische Kaffeesucht unserer Welt zu befriedigen. Der hauseigene Kaffee ist zu 90% für den Export bestimmt.

2 Jahre alte Kaffeepflanze

 
Mit 4 Jahren trägt die Pflanze ihre ersten Früchte. 

 
Wasch- und Schälmaschine

Nachdem die Bohnen geschält und gewaschen sind, kommen sie zur Fermentierung in Haltebecken, wodurch sie den Zucker verlieren. Danach werden sie getrocknet. Das kann man maschinell schnell erreichen. Jedoch erhält man bessere Qualität und Geschmack wenn die Kaffeebohnen traditionell in der Sonne trocknen. Zwischen November und März ist Erntezeit. Riesige Flächen Kaffeebohnen werden ständig bewegt und gewendet. Nach etwa drei Wochen ist der richtige Trockengrad erreicht.

Das Wenden der Kaffeebohnen erfolgt alle 20 Minuten.

Nach der Sonnentrocknung wandern die Bohnen für fünf Wochen in den Jutesack. Erst dann ist die Bohne so beschaffen, dass das äußere Häutchen entfernt werden kann. 

 
Kaffee-Lagerhalle

Danach kann das Rösten beginnen. Im Trommelröster werden die Bohnen zwischen 12 und 18 Minuten geröstet. Je länger die Röstzeit umso dunkler der Kaffee. Bei einer Röstzeit von 18 Minuten erhält man einen schönen dunklen Espresso.

Wußtest Du schon, dass Espresso weniger Koffein als normaler Filterkaffee enthält? Das hat mit seiner langen Röstzeit zu tun.

 
Unterschiedliche Röstzeiten bestimmen den Geschmack

Nationalpark Vulkan Poás

Nach dem 2,5 stündigen Besuch der Kaffeeplantage, schraubte sich unser Shuttle Bus von 1350 Meter bis auf 2574 Meter hoch. Wir folgten der Straße durch idyllische Kaffeeplantagen und dichte Nebelwälder bis sich die Vegetation lichtete und eine karge Landschaft aus Asche und Geröll zum Vorschein kam.

Das Wetter im Nationalpark ist unberechenbar, je höher und später man ist umso mehr muss man mit Wolken und Nebelschwaden rechnen. Doch wir hatten großes Glück! Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir die spektakuläre Sicht in den 300 Meter tiefen Hauptkrater, der ein Durchmesser von 1,5 km misst.

 

Noch vor einigen Monaten wäre der grandiose Anblick unvorstellbar gewesen. Denn nach mehreren Gasexplosionen, starken Rauchgasen und Ascheregen wurde der Nationalpark 2017 aus Sicherheitsgründen für 16 Monate geschlossen. Seit September ist der Vulkan wieder zugänglich. Allerdings mit neuen Sicherheitsvorkehrungen wie Unterstellplätze und Schutzbunker, Sensoren zur Gasanzeige, Anschaffung von Helmen und Masken und nicht zuletzt mit Schulungen für Parkwächter, Guides und Bewohner umliegender Gemeinden. 

Der Vulkan stößt täglich giftige Schwefeldämpfe aus, deshalb gibt es in direkter Nähe kein Leben. Die über mehrere Monate anhaltenden Ausbrüche in 2017 ließen den türkisfarbenen Kratersee verdampfen. Seitdem sich der Vulkan beruhigt hat, wächst der 35- 95°C heiße, mit Regenwasser gefüllte See wieder.

Ohne schriftliche Voranmeldung geht jetzt nichts mehr. Auch eine Wanderung um den Hauptkrater und zum Nebenkrater ist zurzeit nicht möglich. Spätestens nach 20 Minuten (die Zeit wird gestoppt) muss man den Kraterrand wieder verlassen.

 

Es besteht Helmpflicht. Doch mit schmunzelnder Miene meinte unser Guide, dass die Helme nur Dekoration seien ….

Trotz Wiedereröffnung besteht Restaktivität. In der Nähe des Hauptkraters wurde ein Schutzbunker errichtet. Dieser muss im Falle eines Ausbruchs sofort aufgesucht werden. Bis das erste Gesteinsmaterial und Asche die Besucherterrasse erreicht, bleiben nach offiziellen Angaben nur etwa 8 Sekunden Zeit.

Ich habe mir den Unterstellplatz zum Schutz vor Gasexplosionen lange angesehen …. Welche Sicherheitsvorschriften wohl in Deutschland zur Anwendung gekommen wären?

 

Fliegende Gesteinsbrocken haben im April 2017 sichtbare Spuren hinterlassen

Wasserfallgärten La Paz

Zur Mittagszeit zeigten wir dem Vulkan den Rücken um zu den privaten Wasserfallgärten La Paz, zu gelangen. 
Auf 1400 m Höhe findet man Costa Ricas Highlights im Kleinformat: Nebelwald, Wasserfälle, Urwaldwege, tropische Pflanzen und mehr als 100 verschiedene Tierarten. Von gefährlichen Raubkatzen bis zu schlafenden Fröschen ist alles vertreten.

 

Leider befinden sich viele der heimischen Tiere in Käfigen. Laut Parkverwaltung handelt es sich bei den meisten um Tiere, die aus illegaler Haltung gerettet wurden und aus verschiedenen Gründen nicht mehr ausgewildert werden können.

Die gepflegte Anlage besticht mit Liebe zum Detail. Viele tropische Pflanzen, wie Bromelien, Strelizien und Orchideen schmeicheln dem Auge.

Im bezaubernden Schmetterlingsgarten beeindruckte mich der blaue Riesenschmetterling „Morpho Azul“. Als er seine Flügel aufklappte, überraschte er mich mit schimmernd blauer Farbe.

 
Blauer Riesenschmetterling „Morpho Azul“

Neben bunten Papageien und Tukanen staunte ich im offenen Kolibri-Garten über den superschnellen Flügelschlag der Kolibris. Die schillernden Vögel schwirren hier blitzschnell von einer Futterstation zur nächsten.


Im Schlangenterrarium sah ich Exemplare, denen ich in freier Wildbahn wohl lieber nicht begegnen möchte. Die giftige Greifschwanz-Lanzenotter lebt auf Bäumen der Regenwälder Costa Ricas.


Die winzig kleinen Giftfrösche musste ich nicht lange suchen. Sie leuchten mit bunten Farben, die einem förmlich ins Auge springen. Gut getarnt waren dagegen die schlafenden Laubfrösche. Nicht immer konnte ich die bewegungslosen Tiere auf Anhieb finden.


Die eigentliche Hauptattraktion, sind fünf Wasserfälle. Alle fünf sind durch einen gut befestigten Wanderweg miteinander verbunden. Der letzte des Weges ist der Höchste. Es ist der Wasserfall „La Paz“ (Wasserfall des Friedens). 


Ich höre noch jetzt wie die Wassermassen aus 37 Meter Höhe tosend in die Tiefe stürzten. Eine faszinierende Kulisse, die ich von einer Aussichtsplattform erleben durfte.

Ich gebe eine klare Empfehlung für die Highlights der Tour.
Wer Costa Ricas Natur mit all ihren Pflanzen und Tieren erleben, etwas über die Kaffeeherstellung lernen und nach einem aktiven Vulkan sucht, der ist hier genau richtig.
Allerdings würde ich Wasserfallgärten La Paz an einem zweiten Tag besuchen, denn wenn man alle Wasserfälle, Tiere und Pflanzen sehen möchte, benötigt man mehr Zeit.

Samstag, 15. Dezember 2018

Schulleitung öffnet wieder die Pforten!

Eine Woche vor den großen Ferien ist auch der Generalstreik für die Schule in Esterones beendet. Die Schulleitung hat endlich die Pforten wieder geöffnet. Das hat uns alle sehr gefreut!

Die Woche verging im Flug mit administrativen Aufgaben wie z.B. dem Beschriften der Zeugnis-Mappen, Weihnachtsgeschenke verpacken und weiteren Vorbereitungen für die Ferien- und Abschiedsfeier der Schüler und Schulabgänger. An Unterricht war kaum zu denken .... die Sommerferien stehen vor der Tür und die Vorfreude auf Weihnachten ist deutlich zu spüren.

Im Laufe der Woche restaurierte die Dorfgemeinschaft den Kinderspielplatz gegenüber der Schule. Regenzeit und hohe Luftfeuchtigkeit nagen sichtlich an den hölzernen Bauwerken. 
Tische und Bänke mussten geschliffen und zwischen zwei Klettertürmen eine marode Hängebrücke ausgetauscht werden. 

 

Schmirgelt die megalaute Schleifmaschine wirklich schneller und besser als Hände ....? Wohl kaum, die Kinder jedenfalls geben ihr Bestes!




Ich übernahm zusammen mit den Kindern das Streichen der Klettertürme. Pfosten, Stützen und Streben leuchten nun in bunten Farben.


Unsere drei lieben „Gastschwestern“ Jennifer, Mileidy und Escarleth. Ich habe sie fest ins Herz geschlossen.


Sonntag, 9. Dezember 2018

Vorweihnachtliche Adventsstimmung!

In Deutschland hat die besinnliche Adventszeit 🎅 begonnen, es ist kalt und man freut sich gemeinsam auf Glühwein und Plätzchen. Von diesem vorweihnachtlichen „Feeling" ist bei mir nichts zu spüren. Der Sommer hat gerade begonnen und ich schwitze mir ein T-Shirt nach dem andern nass.  

Aber ich denke es sind hier die großen Kleinigkeiten, die Weihnachten aufleuchten lassen ✨. Eins der schönsten Lichter, die hier nicht nur zur Weihnachtszeit leuchten, ist die Lebhaftigkeit der Menschen. Man trifft sie überall, so auch während unserer Rückreise von San José nach Esterones, als ich folgendes „zuckersüße Advent-Vergnügen“ erlebte:

Wir saßen im Bus in der zweiten Reihe. Vor uns ein Tico als Unterstützung des Busfahrers, der den Gästen beim Verstauen des Gepäckes half …. so dachten wir.
Ja, er war sehr hilfsbereit. Aber wie sich kurze Zeit später herausstellte war er, wie auch wir, nur einer von vielen Fahrgästen. Er blieb aber nicht lange nur einer von vielen, denn schon bald packte er seine Gitarre aus und ließ seiner Leidenschaft freien Lauf. 🎸Er ist Musiker und war auf seinem Weg zur Arbeit nach Guanacaste. Ich bin mir nicht sicher was ihn angetrieben hat, aber es muss pure Lebensfreude gewesen sein. 😄
Beim Zupfen der Saiten legte er ein bewundernswertes Repertoire an den Tag, von Beethoven und Bach über Beatles bis „Jingle Bells“, einfach grandios! 
Mit großartiger Leichtigkeit erfand er lustige Texte und besang das Busunternehmen, mit dem wir gerade unterwegs waren. Untermalt mit entsprechender Mimik brachte er damit den ganzen Bus zum Lachen. 😂


Ich sag´s Euch: Ich hatte Bauchschmerzen vor Lachen und die Tränen sind mir übers Gesicht gelaufen …. PURA VIDA!

Zurück in Costa Rica - Puerto Viejo

Noch einmal karibisches Feeling in Puerto Viejo, bevor es wieder zurück an den Pazifik ging. 

Der Hostelkette Selina treu geblieben nächtigten wir diesmal in einem „Zelt“ (22 USD/Nacht). ⛺


Wie auch schon in Barco trifft sich im Hostel Selina die ganze Welt im Alter von 20 bis 30 Jahren. Alle mit dem gleichen Ziel, die Welt zu erkunden. Ein Ort der Begegung, des Austausches und des gemeinsamen Erlebens.
So kam es, dass wir gleich am ersten Tag zusammen mit Silvia, einer Tica aus San José, in der Gemeinschaftsküche Sandwiches produzierten. Die schmeckten einfach wunderbar, nicht nur weil sie gut waren, sondern weil sie auf internationale Art und Weise gemeinschaftlich entstanden sind. Phantastisch! Aber da schwingt auch immer ein Hauch von Vergänglichem mit, denn an diesem Ort Abschied zu nehmen bedeutet oft, dass man sich wahrscheinlich niemals im Leben wiedersieht …. Man trifft aber auch auf andere, die es nicht lohnt wiederzusehen. An der Bar hatten wir eine nette Unterhaltung mit Kanadiern, doch nachdem sie erfuhren, dass wir einen Freund haben, sind die Jungs ganz schnell verschwunden. Die hatten wohl was anderes vor ….


Wie mieteten „Bananos“ (Fahrrad für 5 USD/Tag). 🚴 Sie sind hier traditionelles Fortbewegungsmittel und die beste Möglichkeit auf der ebenen Küstenstraße (parallel zum Strand) zu fahren. Gangschaltung und Licht sucht man an den Rädern vergeblich. Auf gute Bremsen und Reifen sollte man achten, da die Straßen mitunter sehr holprig sein können.


Gleich am nächsten Tag besuchten wir das zwei Kilometer entfernte, direkt am Strand liegende, quirlige Örtchen Puerto Viejo. Die lebhafte Uferstraße, an der so gut wie alle Unterkünfte, Geschäfte und Restaurants liegen, ist perfekt zum Fahrradfahren geeignet. Wir genossen es sehr durch die bunten Gässchen zu bummeln und hier und da einige „ Scheinchen" (Colones) 💸 zu lassen. Es ist die Mischung aus tollen Menschen, purer Lebenslust, rhythmischen Reggae und vollendeter Natur, die das unvergleichbare Lebensgefühl Puerto Viejos ausmacht.



Einen weiteren Nachmittag verbrachten wir im Naturschutzgebiet Gandoca-Manzanillo. Leider war der Morgen verregnet, so dass wir statt dem Fahrrad den Bus wählten um ins zwölf Kilometer entfernte Dorf Manzanillo zu gelangen. 🚌


Der artenreiche Nationalpark gehört zu den schönsten Naturreservaten Costa Ricas. Er liegt zwischen den Mündungsgebieten der Flüsse Cocles und Sixaola und schließt ein vor der Küste liegendes Korallenriff ein. Strenge ökologische Auflagen verhindern, dass die Gegend durch große Bauprojekte für den Massentourismus erschlossen wird.


Im Dorf Manzanillo beginnt ein fünf Kilometer langer Wanderpfad, der in Küstennähe durch das Naturreservat führt und an einem Badestrand endet. Lagunen Feuchtgebiete, tropischer Regenwald und Korallenriffe bilden hier zusammen mehrere unterschiedliche Ökosysteme mit großer Artenvielfalt. Im seichten Wasser sind Langusten, Hummer und Diadem-Seeigel beheimatet. Die Sümpfe im Landesinneren werden von Kaimanen, Tapiren und verschiedenen Leguan-Arten bewohnt. Bunte Tukane und Papageien leben in den tropischen Regenwäldern des Naturschutzgebietes und zahlreiche Seevögel nutzen die Küstenregionen als Brutgebiete. Erwähnenswert ist auch der vor dem Riff liegende Mangrovenwald mit den einzigen roten Mangroven des gesamten karibischen Raumes.



Aufgrund des starken Regens am Vormittag  ☔ waren die Wege sehr klitschig und gefährlich, so dass wir leider auf eine Wanderung verzichten mussten.


So ging dann auch schon bald unser letzter Tag in Puerto Viejo zu Ende. Die Zeit der Rückreise war gekommen. Wie auch bei der Hinreise verbrachten wir eine Nacht in San José damit die Heimfahrt nicht zu lange wurde.


Bushaltestelle in Puerto Viejo

In San José nutzen wir den Abend um uns von Johanna zu verabschieden. Auch sie pausierte eine Nacht im Hostel um am nächsten Morgen in den Flieger zu steigen. Ihre drei Monate in Costa Rica sind wie im Fluge vergangen. 

Auf Wiedersehen Johanna! 

Samstag, 1. Dezember 2018

Panama - Traumhafte Inseln in der Karibik

Anreise

Das Geld ist knapp …. nichts ist jetzt besser als Bus fahren, immer kostengünstig und zuverlässig! 🚌

Noch vor Ablauf unserer 90 Tage Aufenthalt, machten Anna und ich uns letzte Woche auf den Weg nach San José. Dort verbrachten wir eine Nacht um ausgeruht, gleich am frühen Morgen den ersten Bus (15 USD) nach Panama zu nehmen. 
Im voll besetzten und eisig klimatisierten Bus bewegten wir uns im Schneckentempo auf die Karibikküste zu. 🐌 Verkehrsreiche Straßen und Baustellen sorgten dafür, dass sich die Fahrt wie Kaugummi in die Länge zog. Nach sieben Stunden erreichten wir endlich den 250 km entfernten Grenzort Sixaola.



Unweit der Busstation warteten Grenzlotsen um uns zu einer kleinen Apotheke zu bringen. Dort bezahlten wir gegen Vorlage des Reisepasses eine Ausreise- und Bearbeitungsgebühr (8 USD). Im nahegelegenen Grenzbüro gab´s dann gegen Abgabe des Belegs den Ausreisestempel. Jetzt noch über eine Brücke und Panama war erreicht. 


Am Ende der Brücke begann der Einreisevorgang. Reisepass und Ausreisenachweis wurde verlangt. Gut, dass ich meinen Rückflugbeleg im Gepäck hatte. Bevor es den Einreisestempel gab nahm man uns noch die Fingerabdrücke. 

Kaum hatten wir das Grenzgebäude verlassen wurden wir von Schleppern belagert. Sie boten uns ein Komplettangebot (15 USD) mit Van und Taxiboot bis Bocas del Toro. 
Was tun? Wir wussten nicht wo und wann der nächste Bus fährt, aber wir wussten, dass es bald dunkel werden würde …. wir waren nicht alleine, weitere Reisende hatten den gleichen Weg. So fühlten wir uns alle auf der sicheren Seite und nahmen das Angebot an. Mit dem Van benötigten wir 30 Minuten bis Almirante. Nach weiteren 30 Minuten Bootsfahrt erreichten wir unser Ziel Bocas del Toro auf der Insel Colón. Alles ging gut. 
Wenig später habe ich erfahren, dass die Fahrt mit lokalem Bus und Taxiboot nur die Hälfte kostet. Allerdings hätte man für die Busfahrt (inklusive umsteigen) die dreifache Zeit benötigt.

Vom Bootsanleger war es nicht weit. Fünf Minuten Fußweg und wir erreichten unser zentral am Wasser gelegenes Hostel „Selina Bocas Del Toro“ (30 USD pro Nacht).


Küste von Bocas


Hostel Selina


Lichtdurchflutete Gänge führen zu den Zimmern



Entspannt in die Karibik blicken

Unsere, für den nächsten Tag gebuchte Tour zur Insel Zapatilla 1, mussten wir leider um einen Tag verschieben …. dummerweise lebten wir nach der falschen Uhrzeit und unser Ausflugsboot war schon weg als wir nach ihm suchten. Panama ist Costa Rica um eine Stunde voraus, das werden wir so schnell nicht vergessen! ⏰

Doch man hatte nachsehen und gab uns den Tipp stattdessen mit dem Bus zum traumhaften Strand „Playa Estrella“ zu fahren. 

Mit dem Bus zum "Playa Estrella"

Die Insel Colón ist 13 km lang und die Größte im Inselarchipel Bocas del Toro. Neben ihrer einzigen Stadt Bocas und einem Flughafen bietet sie riesige Dschungelflächen und wunderschöne Karibik-Strände. 
Mit dem Bus erreichten wir nach 40 Minuten den Westen der Insel, die Endstation Boca del Drago. Weiter ging´s zu Fuß. Durch einen Mangrovenwald gelangten wir auf einem idyllischen schattigen Sandpfad nach 20 Minuten zum Playa Estrella. 


Das ist sie, die Karibik. In voller Pracht! Malerische Palmen wachsen ins türkisfarbene Wasser und weißer Sandstrand klebt an den Füßen. Bisher kannte ich das nur aus dem Reisekatalog, jetzt ist es Wirklichkeit geworden.


Der abgelegene 1 km lange Strand hat seinen Namen von den Seesternen, sie sammeln sich hier im seichten und kristallklaren Wasser. Auch ohne Schnorchelausrüstung sind sie sehr gut zu sehen. Die Sensation für alle kleinen und großen Besucher! 

Leider sieht man immer weniger von den sensiblen Tieren, die früher wohl zu Hunderten hier lagen. Unter anderem mag das an den Touristen liegen, die sie nicht selten für ein Foto aus dem Wasser nehmen. Dabei füllt sich das empfindliche Kapilarsystem der Seesterne mit Sauerstoff. Den Sauerstoff bekommen sie im Wasser nicht mehr aus ihrem Kapilarsystem gedrückt und verenden qualvoll.
SCHADE, dass zahlreiche Hinweisschilder kaum nutzen …. 🚯




Kissenseestern

Imbissbuden, Souvenirstände und Reagge-Musik prägen das Strandbild. 📻 Etwas abseits haben wir aber ein ruhiges Plätzchen finden können. Gut, dass die Hochsaison noch nicht wirklich losgegangen ist.



Bootstour - "Cayo Zapatilla 1"

Die Uhr auf Panama-Zeit gestellt, konnte einen Tag später die Bootstour (25 USD) starten. Unser kleines Boot war mit zehn Personen voll besetzt. Die nächsten sechs Stunden bedeuteten auf, am oder im Wasser zu sein. 🏊

Die Inselgruppe Bocas del Toro ist ein einzigartiges Naturparadies. Der Archipel besteht aus neun Inseln und unzähligen Koralleninseln. Neben unberührten Korallenriffen, weißen Sandstränden und Höhlen findet sich auch eine interessante Tierwelt mit Faultieren, Affen, Tukanen, Papageien, Leguanen und Schildkröten. 🐒


Dolphin Bay

Zunächst steuerten wir die Delphinbucht an. Eingegrenzt durch die Insel Cristobal, das Festland und ein Labyrinth von Mangroven, wirkt die Bucht wie ein riesiges sechs Kilometer breites Aquarium. Viele Tümmler leben hier ganzjährig. Das ruhige Gewässer bietet reichlich Nahrung für groß und klein. 🐬
Wir konnten mehrere Delphingruppen beobachten. In den Wellen unseres Bootes schienen sie sich wohl zu fühlen, sie verfolgten uns, sprangen hoch und zeigten sich. Allerdings war es nicht ganz so leicht im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken ….





Coral Cay

Der nächste Anlaufpunkt war die von einer Mini-Gemeinde bewohnte Koralleninsel „Coral Cay“. Es ist eine kleine Insel zwischen Bastimentos und Popa, wunderschön von Mangroven umgeben. Das Wasser smaragdgrün, Schnorcheln ein Muss! 

Leider gab´s an unserem Stopp nicht so viele tropische Fische und Korallen wie angepriesen. 🐠 Später habe ich erfahren, dass die Bootsführer gerne an Stellen mit Restaurant fahren, statt an üppige Korallengärten. Vielleicht lockt hier ein Extrabonus für sie ….




Cayo Zapatilla 1

Dritter Anlaufpunkt und zugleich Höhepunkt der Tour war die kleine (500 x 100 Meter) Insel „Cayo Zapatilla 1“. Östlich von Bastimentos liegt sie neben ihrer Zwillingsinsel im Naturschutzgebiet und ist komplett mit Palmen und Dschungelpflanzen bewachsen. 🌴 Umgeben von tropischem Korallenriff bietet sie alles was man braucht: Palmen, weißer Sandstrand und kristallklares türkisfarbenes Wasser …. allerdings sollte man die Verpflegung nicht vergessen, denn hier gibt es keine Buden. Verkaufen ist verboten!






Die Insel ist ungestörter Nistplatz für Meeresschildkröten. Sie darf nicht bebaut werden und muss bis 16 Uhr geräumt sein. Künstliches Licht und touristische Infrastruktur sind unerwünscht. Zu Gunsten der Meeresschildkröten diskutiert man darüber die Insel schon bald für Touristen zu schließen. 🐢

Die Zeit raste und es kündigte sich der Aufbruch an. 
Auf Wiedersehen Zapatilla!

Playa Polo

Jetzt ging´s langsam zurück Richtung Ausgangspunkt, vorbei an der langgestreckten Ostseite der Insel Bastimentos. Am "Playa Polo" verweilten wir im Boot um in den dichten Mangroven Faultiere aufzuspüren. Wir hatten Glück, ich konnte eine Faultiermutter mit ihrem Jungen entdecken. Da das Jungtier nicht mehr an der Mutter hing, musste es älter als neun Monate sein.


Der 800 Meter lange und schmale Strand „Playa Polo“ liegt abgeschieden und ist naturbelassen. Begrenzt von Palmen und Sträuchern ragen hier viele Baumstämme ins Wasser. Der Strand verdankt seinen Namen einem Herrn Polo, der vor vielen Jahren der Menschheit entflohen ist und seitdem hier ganz alleine lebt.

Mit dem Taxiboot zum "Playa Red Frog"

Von Stränden nicht genug, besuchten wir an unserem letzten Panama-Tag den beliebtesten der Strände, „Playa Red Frog“ auf der Insel Bastimentos. „Red Frog“ der Strand, der seinen Namen den orange-roten Pfeilgiftfröschen verdankt, ist der Einzigste an dem man ein kühles Getränk und Essen bekommt. 🍹 Neben einer Surfschule fehlt hier auch die Toilette nicht. Kein Boot fährt den Strand direkt an. Wer an den Luxusstrand möchte kann ihn nur über einen Steg- und Waldweg erreichen, muss aber zuvor 5 USD Weggebühr bezahlen. 💵









Bootstour - „Biolumineszenz"

Bei Neumond sollte unser letzter Abend in Panama magisch werden …. 🌙

Während einer Bootsfahrt erlebten wir wie in den Gewässern von Bocas del Toro tausende von Mikroorganismen durch einen biologischen Prozess (Sauerstoff trifft auf Enzym) im Dunkeln leuchten können. 

Durch Mangroven ging´s an einen idealen geheimen Ort, an dem wir das erstaunliche Phänomen erlebten. Ich tauchte meine Hand ins Wasser, bewegte sie hin und her und alles leuchtete. Hob ich die Hand aus dem Wasser tropfte die Biolumineszenz wie tausende Diamanten ab. 



Eine Steigerung sollte folgen, unser Guide hatte Schnorchelausrüstungen dabei. Doch als wir genauer ins tiefe Dunkel leuchteten erkannte unser Guide einen giftigen Fisch, der sich tagsüber im Sand versteckt und nachts umherschwimmt. Gerne verzichteten wir auf den Sprung ins Wasser. Trotzdem eine schöne Vorstellung, beim Schwimmen eine leuchtende Spur von „Feenstaub“ hinter sich her zu ziehen. 


Ein unglaubliches Gefühl das alles zu erleben und eine einzigartige magische Erfahrung! 

Als unser Guide erfuhr, dass wir tagsüber am „Playa Red Frog“ waren, aber keinen Pfeilgiftfrosch gesehen haben, lies er es sich nicht nehmen erneut mit uns an den Strand zu fahren. Im Dunkeln machten wir uns auf die Suche und wurden tatsächlich fündig.

Es gibt 170 Arten von Pfeilgiftfröschen, aber nur drei sind lebensgefährlich. Die in Panama lebenden Pfeilgiftfrösche verursachen „nur„ Fieber und Magen-Darm-Krämpfe. 
Der winzige Frosch schützt sich nicht nur mit seinem Gift (welches er über die Haut abgibt), sondern auch mit seiner Farbe vor Feinden. Grelle Farbtöne schrecken den Angreifer schon beim ersten Anblick ab.

         
Viel zu kurz war die Zeit in Panama …. 
Voll bepackt mit Erlebnissen fielen wir auch am letzten Abend in unser treffsicheres Bett, denn das füllte fast den ganzen Raum aus.